020 Blog FOMO

Angesichts stark steigender Aktienbörsen stellen sich viele AnlegerInnen die Fragen: Soll ich jetzt noch einsteigen am Aktienmarkt? Und: Verpasse ich da gerade etwas? Diese Gedanken sind nichts anders als die Angst etwas zu verpassen. FOMO. Fear of missing out findet sich nahezu überall, auch im Oxford English Dictionary. Auch du kennst diese Angst von klein auf, die Angst etwas zu verpassen. Die Großen feiern und selbst soll man schlafen. Geht aber nicht. Denn da ist dieser eine Gedanke im Kopf: Was verpasse ich gerade?

FOMO – Fear Of Missing Out. Ein lebenslanger Begleiter, der sich auch in deinen Geldentscheidungen bemerkbar macht. 

Warum es keine gute Idee ist, dass zu machen, was alle machen. 

In diesem Beitrag findest du Antworten auf: 

  • Was steckt hinter FOMO?
  • Welche Konsequenzen hat dies für meine Geldentscheidungen?
  • Wie entscheide Ich und nicht meine Angst? 3 Tipps um FOMO in die Schranken zu weisen.

Was ist FOMO?

Wir Menschen sind Herdentiere. Zur Gruppe dazuzugehören ist ein grundlegendes Motiv und treibt uns in vielen Lebensbereichen an. Nicht jeden von uns gleich, nicht jeden in allen Lebensbereichen gleich, dennoch kennt jeder diese Angst. Schon als Kind war es schmerzhaft nicht zu einer Gruppe dazuzugehören. Unser Drang nach Gruppenzugehörigkeit kann uns zu falschen Vergleichen und schlechten Entscheidungen verleiten. Digitalisierung hat das Phänomen verstärkt. Ein Blick in die Social Media und wir wissen, was andere tun und auch, wie sie ihr Geld veranlagen. Der Gruppe zu Folgen hat einen emotional schönen Nebeneffekt: Wenn ich tue, was alle tun, dann ist ein Verlust weniger schmerzhaft. Denn schließlich hat man nicht alleine Geld verloren. Das macht es emotional schwierig sich von den Entscheidungen anderer loszulösen. Im Alltag kann die Intelligenz der Masse Sinn machen. In Sachen Geld ist sie eine Gefahr. Besonders dann, wenn der Gedanke kommt: Soll ich jetzt noch einsteigen am Aktienmarkt?

Eine weitere Art unseres Denkens füttert FOMO. Regret Aversion oder auf österreichisch „Hätti, täti, wari.“. Nicht selten sind AnlegerInnen damit konfrontiert, dass sie ein Investment nicht getätigt haben und genau dieses einen unglaublichen Gewinn erzielt. Im Rückblick scheint vieles klar und wir bereuen vergangene Entscheidungen. Allerdings auf Basis des gegenwärtigen Wissens. Das eigentliche Problem: Diese Reue nehmen wir in zukünftige Entscheidungen mit. Es entsteht die Angst nochmal etwas zu verpassen, zu lange zu warten, zu ängstlich zu sein. Die Konsequenz: Emotion schlägt Ratio und wir greifen mutig zu. 

Und zuletzt: FOMO steigt mit der Qual der Wahl. Je größer die Wahlmöglichkeit, desto größer die Angst etwas zu verpassen oder eine rückblickend schlechte Wahl zu treffen. In der Geldanlage sind die Anlagemöglichkeiten nahezu unendlich. Oder: Viele Chancen für FOMO.

Jetzt noch einsteigen am Aktienmarkt? Hier wird FOMO zur Gefahr für mein Geld.

FOMO ist eine Form der Angst. Entscheidungen werden emotional getroffen und wenig an Fakten orientiert. Was für andere AnlegerInnen ein gutes Investment sein kann muss es weder für dein Portfolio noch für deine Risikobereitschaft sein. Je weniger du dir über deine Anlageziele und deine Anlagestrategie klar bist, desto eher kann dich FOMO zu schlechten Anlageentscheidungen verleiten. 

Was tun bei FOMO in der Geldanlage?

Jetzt noch einsteigen am Aktienmarkt? Diese Frage kannst du klar besser entscheiden, wenn du nicht auf die Masse schielst. Mit diesen Schritten kannst du verhindern, dass dich deine Angst etwas zu verpassen dein Erspartes kostet:

1. Reduziere deinen Medien- und Informationskonsum.

Nicht jede Information wird dir in deiner Veranlagung hilfreich sein. Ganz im Gegenteil. Gibst du dich dem News Feed hin, wirst du früher oder später das Gefühl haben etwas zu verpassen. Denn nicht alles, was du findest, dient der Information. Vermeintliche Anlageexperten und Gurus berichten von erfolgreichen Trades. Von deren Fehlinvestitionen liest du hingegen selten.

Überlege welche Informationsquellen für dich und deine Anlagestrategie von Wert sind. Auf alles andere kannst du getrost verzichten. Tipps und Tricks für ein schlaues Informationsmanagement findest du hier: Mut zur Informationslücke.

2. Denke im Morgen und Übermorgen.

Die Chancen und Entwicklungen der Vergangenheit haben für die heutigen Anlageentscheidungen keinen Mehrwert. Ein Investment hat sich grandios entwickelt? Schön, aber welche Erwartung hast du für die Zukunft? Du kannst nicht mit dem Blick in den Rückspiegel die Bergstraße entlang fahren. Und auch in der Geldanlage ist der Blick nach hinten nicht hilfreich. 

Unabhängig von der bisherigen Entwicklung deines Investments frage dich: Würde ich heute in diesen Wert investieren? 

3. Stick to your plan. 

Halte an deiner Anlagestrategie fest. Das Anlageuniversum ist riesig. Du wirst nie alle Chancen erkennen und nutzen können. Zugleich gibt es in deinem Anlageuniversum ausreichend Möglichkeiten. Du setzt auf eine breite Streuung mit ETFs und Fonds? Dann denke nicht über Einzeltitel nach. Du hast dich auf Aktieninvestments auf Basis von Fundamentalbewertung spezialisiert? Dann schiele nicht auf den Rohstoffmarkt. 

Definiere dein Anlageuniversum, deine Asset Klassen. 

Ich höre förmlich die Frage in deinem Kopf: Aber verpasse ich da nicht Chancen? Was, wenn meine Strategie überholt ist? Meine Antwort dazu: Erinnere dich, warum du dich für diese Anlagestrategie, diese Investmentmöglichkeiten entschieden hast. Dann frag dich nochmals, ob du diese Richtlinien tatsächlich aus momentanen Entwicklungen verwerfen möchtest. 

Bleiben deiner Strategie treu. Es macht keinen Sinn, den Bereich zu verlassen, indem du dich auskennst und in dem du erfolgreich bist. 

Damit bleibst du auch dir treu. Stell dir vor, du würdest dein Leben, deine Berufswahl, deine Hobbys, deine Lieblingsspeise immer am aktuellen Trend ausrichten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit macht dich das weder glücklich noch erfolgreich. Der Gegenpart zu FOMO ist JOMO – Joy Of Missing Out. Die Freude daran etwas zu verpassen. Weil du das tust, was dir persönlich wichtig ist. 

TINA und TATA

Die großen Schwestern von FOMO und JOMO sind TINA und TATA. TINA geht auf den französischen Soziologen Pierre Bourdieu zurück. Das TINA-Prinzip gilt als die Mutter aller Totschlagargumente: „There Is No Alternative“. Betrachtet man die Entwicklung der Aktienmärkte im April 2020 denken viele unweigerlich an TINA. Nach einem Rekordtief und weiterhin niedrigem Ölpreis, einen der zuverlässigsten Wirtschaftsindikatoren, und global düsteren Wirtschaftsaufblicken steigt der Markt rasant. Eine explodierende Geldmenge im Niedrigzinsumfeld scheinen Aktien alternativlos zu machen. 

Auch hier zahlt sich ein kritischer Gedanke aus: TATA – There Are Thousands of Alternatives. 

Somit: Bevor du vorschnell auf den Buy-Button drückst überlege: Passt dieses Investment zu deiner Anlagestrategie? Machst du es, weil es alle machen? Welche Alternativen fallen dir ein?

 

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Beiträge zum Umgang mit  Informationen:

Podcast: #MMP 003: Wie du mit weniger Information bessere Entscheidungen triffst.

Blog: Besser entscheiden dank weniger Information. 

Beiträge zur verzerrten Informationswahrnehmung: 

Podcast: #MMP 006: Warum dich deine Meinung Geld kostet.

Blog: Die Grenzen der Objektivität.

Bilder & Grafiken: 

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Beitragsbild: Photo by Markus Spiske on Unsplash

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