Experten-Talk mit Manuel Horeth

Wie im Spitzensport entscheidet in der Geldanlage selten Material und Technik über Sieg und Niederlage. Erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen zeichnen sich durch ein starkes Mindset aus. Hinter diesem steckt eifriges Training. Wir entdecken heute die Tricks der Profis, die uns und unsere Geldanlage weiter bringen. Manuel Horeth “The Mentalist” zeigt uns, wie es geht.

Was macht einen Profisportler zum Weltmeister und Olympia-Gewinner? Angesichts ausgefeilter Trainingspläne, Hochtechnologie in Sachen Material drängt sich die Frage förmlich auf. Was bringt den Vorsprung, der zwischen Sieg und Niederlage entscheidet? Und wie schaffen es Spitzensportler über einen langen Zeitraum volle Leistung auf Abruf zu liefern?

Du fragst dich, was das mit dir und deiner Geldanlage zu tun hat? Wie im Sport entscheidet in Sachen Geld selten das Material über Erfolg und Niederlage. Dank Digitalisierung kann heute jeder von uns nahezu alle Investments umsetzen. Dennoch gelingt es einigen besser als anderen.

Was also macht uns im im Sport wie in der Geldanlage zu Gewinnern? Das habe ich für dich Manuel Horeth gefragt. Der “The Mentalist” und mehrfacher Bestseller-Autor von “Relaxformel”, “Horeth Prinzip” und “Wir sind alle Mentalisten”.

Manuel Horeth im Experten-Talk

 

Birgit:  Ich freue mich heute hier bei dir im Horeth Institut in Salzburg zu sein. Manuel, ich kenne dich als Mentalist, der in TV Shows und bei Live-Events sein Publikum mit der Kraft des Denkens fasziniert. Wir kennen uns von einer Veranstaltung, bei der wir beide als Speaker tätig waren. Meine Frage zu Beginn an dich: Was sagt Manuel Horeth über Manuel Horeth?

Manuel Horeth: Das ist eine spannende Frage. Wie lange soll es denn dauern? 

Birgit: Starten wir mit der Kurzversion.

Manuel Horeth über Mindset in der GeldanlageManuel Horeth: Was sagt Manuel Horeth über Manuel Horeth? Manuel Horeth ist ein Mensch, der extrem fasziniert ist von Dingen, die grundsätzlich unmöglich sind. Das heißt, Manuel Horeth ist fasziniert von Sachen, von Menschen und Projekten, die extrem außergewöhnlich sind. Momente, bei denen wir über unsere persönlichen Grenzen gehen. Und: Manuel Horeth ist derjenige, der sich darauf spezialisiert hat, andere Menschen dazu zu bringen, über ihre Grenzen zu gehen. Unmögliches möglich machen. Das ist meine große Faszination.

Birgit: Du bist selbst Grenz-Überschreiter und unterstützt andere dabei über ihre Grenzen zu wachsen.

Manuel Horeth: Immer wieder Neues versuchen. Das Beste ist, wenn jemand zu mir sagt: “Das schaffst du nie”. Die ideale Voraussetzung, dass es funktioniert. Sich und anderen das Gefühl geben, dass man mehr kann, als man glaubt. Damit tatsächlich über Grenzen gehen und Neues möglich machen.

Birgit: Das klingt, als wäre dein Weg in den Spitzensport klar gewesen. Denn hier geht es ständig darum, sich und anderen zu zeigen, dass mehr möglich ist.

Manuel Horeth: Grenzen überwinden passt zum Spitzensport hervorragend. In der Schule sagte meine Deutschlehrerin zu mir: Du wirst nie Bücher schreiben. Diesen Satz vergaß ich nicht. Schließlich überreichte ich ihr mein erstes Buch mit den Worten: “Leider nicht recht gehabt”. Ähnliches sehe ich im Sport. Du willst etwas erreichen, hast etwas vor und dann sagt der Trainer: Das wird schwierig. Den einen motiviert das, den anderen zerstört es. Jeder ist anders. Sportler und Sportlerinnen mental zu unterstützen. Ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten und alles aus sich rauszuholen, das sehe ich als meine Aufgabe.

Birgit: Du hast viele Sportlerinnen und Sportler begleitet. Unter anderem Super-G Weltmeisterin Nicole Schmidhofer, Snowboardweltmeisterin Claudia Riegler, Österreichs Startrainer Adi Hütter oder auch Ex-Rapidkapitän Steffen Hofmann. Hast du bei deiner Arbeit mit diesen Sportlern Übereinstimmungen gefunden, irgendwelche Regeln, die bei allen wirksam sind?

Manuel Horeth: Ich habe eine definitive Regel gefunden. Und zwar, dass es keine gibt. Hättest du Nici Schmidhofer vor einiger Zeit gesagt: Nici, heute ist das beste Rennen. Du wirst heute Erste werden. Sie hätte dir geantwortet: Sag das bitte nicht. Das macht unglaublichen Druck. Der selbe Satz bei jemand anderen, der wissen muss, dass er gewinnt, kann dessen Siegeschancen erhöhen. Jeder ist anders. Jeder muss mit sich anders sprechen, um zu gewinnen. Jemand muss es in seiner Art und Weise gesagt bekommen.

Birgit: Was hilft uns unseren Weg zu finden?

Erkenne dich, erkenne dein Ziel und du findest deinen Weg.

Manuel Horeth: Austesten. Das eigene Ziel visualisieren und prüfen, wie es sich anfühlt. Was fühle ich, wenn ich das Vorhaben erreicht habe? Ein entspanntes Gefühl, ein motivierendes Gefühl oder fühle ich Druck? Empfinde ich Stress und kommen Gedanken wie: Was, wenn ich es nicht schaffe? Tauchen kritische Stimmen auf, dann ist man vielleicht der Qualitäts-Typ. Dieser möchte den Weg gut machen, unabhängig vom Ergebnis. Beispiel Skifahrerin. Diese würde entweder sagen: Ich will das Ziel erreichen und heute am Stockerl stehen. Oder: Ich will gut Ski fahren. Das sind zwei Paar Schuhe.

Birgit: Und in der Geldanlage? Warum sollten wir mit der Visualisierung von Zielen starten? Was macht das zum guten Weg, sich selbst kennenzulernen?

Manuel Horeth: Ziele zu visualisieren ist gut, weil unser Vorstellungen im Kopf unsere Entscheidungen beeinflussen. Grundsätzlich ist das Denken in Auswirkungen der größte Stressfaktor des Menschen. Was, wenn es schiefgeht? 

Birgit: “Hätt i, dat i, war i.” in Österreich.

Manuel Horeth:  Ja genau. Das tun wir gerne. Wenn wir über Negatives nachdenken stresst uns diese schöne Angewohnheit. Wir entscheiden nicht mehr so, wie wir es aus dem Bauch intuitiv gemacht hätten. Interessant ist: Mit derselben Fähigkeit, mit der wir über Dinge negativ nachdenken, können wir Dinge auch positiv betrachten. Positives Denken kann mich motivieren, nach vorne bringen und entspannen. Meine Entscheidungen werden definitiv besser. Desto entspannter wir sind, desto positiver wir nach vorne blicken, desto besser ist unsere Entscheidungsfähigkeit. 

Birgit: Wenn ich das umlege für Anleger und Anlegerinnen, heißt das: Ich brauche ein positives Ziel. Ich kenne viele Anleger und Anlegerinnen, die haben das Ziel, kein Geld zu verlieren.

Manuel Horeth: Genau. Ein klassisches Vermeidungsziel. Vergleichbar mit der Aussage: Wir verlieren heute nicht. Ganz schlecht, das zu sagen, auch in der Trainerkabine. Gute Trainer bringen ihrer Mannschaften bei zu sagen: Heute gewinnen wir. Es ist nur ein Satz. Aber wissenschaftlich nachgewiesen spielentscheidend. Auch langfristig.

Birgit: Das heißt: Ein positives Anlageziel formulieren und prüfen, ob es mich stresst oder motiviert. 

Manuel Horeth:  Ja. Im Gegensatz zum positiven Stress beeinflusst der Distress, der negative Stress, unsere Entscheiden definitiv negativ. Entspannt beurteilen wir besser. Gestresst schaffe ich es nicht, objektive und gut durchdachte zu bewerten. Ganz einfach, weil mich meine negativen Gefühlen beschäftigen.

Umgang mit Stress: Was macht mich mental krisenfit?

Birgit: Ein kleines Gedankenspiel. Wir reisen in die Zukunft. Wir haben die letzten Jahre gute Erträge mit unseren Wertpapieren gemacht. Wir sind voller Zuversicht und plötzlich, für uns aus heiterem Himmel, kommt ein Börsen-Crash. Wir sehen in unser Depot rote Zahlen, unsere Wertpapiere verlieren an Wert. In den Nachrichten lesen wir überall, dass die Zukunft alles andere als rosig aussieht. Wir sehen Bilder von Personen am Börsenparkett, die den Tränen nahe sind. Wir hören von einem möglichen Bankenrun und die Frage steht im Raum, wie die Wirtschaft weiter existieren wird. Was schaffe ich es in dieser Situation entspannt zu sein?

Manuel Horeth: Die Medien machen in diesem Falle genau das, was wir selbst macht, wenn wir über Negatives nachdenken. Sie liefen uns die negativen Bilder direkt in deinen Kopf. Vergleichbar mit der Situation eines Spitzensportlers, der wiederholt verliert und nicht mehr die gewohnten Ergebnisse leistet. Trainer oder andere Außenstehende sagen ihm, dass er die nächsten fünf Spiele, sicherlich nicht gewinnen wird. Nur weil es gerade so war, heißt nicht, dass es langfristig so sein wird. Hier braucht es innere Ruhe und Gelassenheit. Sich bewusst machen, dass keiner weiß, wie es ausgeht. Ruhe und Gelassenheit bewahren. Störfaktoren, die meine Ruhe beeinflussen, ausblenden. Das ist die größte Kunst an der Geschichte. Störfaktoren kann ich ausblenden, indem ich bewusst den Fokus auf Dingen halte, die mir gut tun. Immer, wenn ein Stressfaktor mich beeinflusst suche ich einen gedanklichen Ruhepol auf. Sportler haben Bilder der Ruhe, Momente, in denen es ihnen total gut geht. Manche Sportlerinnen und Sportler sagen, sobald sie am Berggipfel stehen und in die Landschaft blicken kann sie nichts mehr stressen. Die Natur, das, was sie sehen, hören, riechen und spüren beeinflusst ihren Körper derart, dass alles Negative abprallt. Diese Schutzblase trainieren sie. Sie gehen oft auf den Berg. Sie machen sich ihre Gefühle bewusst und hören immer dasselbe gute, für sie beruhigende, Lied. Jeden Tag trainieren sie ein paar Minuten mental und rufen das Bild und das Gefühl vom Berg ab. Sie trainieren die Realität am Berg und die mentale Vorstellung. Durch die Wiederholung trainiere ich enorm meine Imaginationsfähigkeit und kann mir Dinge besser vorstellen. Im Moment des Negativen kann ich bewusst den Fokus verändern. Wie ein Lichtschalter. Das Ruhebild reduziert meinen Stress nicht auf null, aber vielleicht um 50 Prozent. Das heißt für mich: Ich werde deutlich entspannter.

Birgit: Entscheidend um nicht panisch mit der Masse mitzurennen. Klarer Tipp: Findet euer Ruhebild.

Manuel Horeth: Ein Ruhebild, ein Ruheort, ein Ruhemoment. Beispielsweise das Bild eines Hurrikans. In der Mitte des Hurrikans liegt dessen Auge. Hier ist es windstill, schönes Wetter und Sonnenschein. Wir sitzen in dieser Ruhe und rundherum herrscht die volle Zerstörung. Oder wir stellen uns einen Wald vor. Dort ist es völlig ruhig und entspannt. Hier trifft mich nichts, ich bin beschützt. Mein Moment des beschützt seins. Eine mentale Technik, die Sportler einsetzen, wenn es ihnen schlecht geht. Sie reisen mental an ihren Wohlfühlort.

Birgit: Als Anker-Hilfe beispielsweise Musik. 

Manuel Horeth: Genau. Dieses Verbinden im Gehirn ist ganz wichtig. Wir verknüpfen die Emotionen des Ortes mit der Sinneswahrnehmung. Immer, wenn ich an dem Ort bin oder an diesen denke, höre ich die gleiche Musik. Jedes wiederholen stärkt die Verbindung zwischen Emotion und Musik.

Birgit: Somit: Mentales Krisentraining heißt einen Ruheort suchen, diesen gut über eifriges Training vernetzten. Der Lohn: Im Moment des Sturms sitzen wir im Auge des Hurrikans und lassen uns nicht von den Medien mitreisen. Ich plädiere ebenso für wenig und selektiven Konsum von ausgewählten Medien. Was hilft Sportlern noch?  

Manuel Horeth: In welchem Thema?

Birgit: Um ihre Leistungsfähigkeit beim Startschuss abzurufen. Du musst so am Punkt sein.

Wer soll an dich glauben, wenn  du es selbst nicht tust?

Manuel Horeth: Definitiv Selbstvertrauen. Selbstvertrauen kombiniert mit mit dem Wissen, was ich kann. Je mehr ist weiß, was ich kann, wozu ich fähig bin, desto besser gehe ich mit Rückschlägen um. Es ist jetzt schief gegangen, aber ich vertraue mir so stark, dass ich es wieder hinbekomme. Also Resilienz. Einmal mehr aufstehen, als hinfallen. Der Klassiker im Spitzensport.

Birgit: Das erinnert mich an ein Interview mit Bernhard Kohl. Hier erzählt er, wie er es geschafft hat nach seinem Doping Skandal schnell aufzustehen. Entscheidend dabei die gelernte Fähigkeit mit negativen Rückschlägen positiv umzugehen. Diese auszublenden und fit für die nächste Runde zu sein.

Manuel Horeth: Für mich hat jeder negativ Moment ein positives Ergebnis oder eine positive Nachricht. Natürlich gibt es schlimme Momente, da findet sich nichts Positives. Im Alltag können wir aus allen Negativen etwas Positives mitnehmen. Die Frage ist, denke ich über das Negativ oder über das Positiv nach und nehme es nach vorne mit. Das muss jeder selber entscheiden.

Birgit: Ist Selbstbewusstsein übertragbar? Viele haben in der Geldanlage wenig Erfahrung. Schließlich sind Anlageentscheidungen nicht alltäglich. Kann ich mein Selbstbewusstsein aus Bereichen wie Beruf, Eltern sein oder aus dem Sport in andere Bereiche übertragen?

Manuel Horeth:  Das Übertragen von Kompetenzen von einem in einen neuen Bereich ist die Kernaufgabe des mentalen Trainings. Schließlich erhalte ich kein Selbstvertrauen von einer Sache, die ich noch nie getan habe. Stattdessen muss ich mich fragen: Was sind meine Fähigkeiten? Was kann ich in bestimmten Momenten besonders gut? Im zweiten Schritt: Wie kann ich diese Fähigkeiten nutzen, um in neuen Bereichen erfolgreich zu sein? Wie kann ich hier gut starten und mir selbst mehr vertrauen? An die eigene Person zu glauben, sich zu vertrauen, ist ein wesentlicher Punkt. Die self-fulfilling prophecy, die selbsterfüllende Prophezeihung, sagt: Je mehr ich an mich glaube, je mehr ich ein positives Ergebnis erwarte, desto wahrscheinlicher wird es. Das funktioniert natürlich nicht bei der Lottoziehung, aber in Situationen, die ich beeinflussen kann. Es geht nicht um einen esoterischen Glauben, sondern um den Glauben an die eigene Person. Ich bin hundertprozentig überzeugt, je mehr man das beherzigt, desto stärker kann man andere beeinflussen. Man verändert damit nicht nur sich selbst, sondern auch Menschen, die mit einem zu tun haben.

Birgit: Da waren für die Geldanlage zwei ganz wichtige Dinge drin. Zuerst der Aspekt, sich selbst zu vertrauen. Beispielsweise bei vermeintlichen Trend-Themen in sich reinzuhören und sich zu fragen: Was halte ich davon? Den eigenen Gedanken, der eigenen Wahrnehmung trauen und nicht das tun, was alle tun. Der zweite Aspekt, den ich wichtig finde: Schau, was dich in anderen Lebensbereichen erfolgreich macht. Geldanlage ist individuell. Ich kenne Personen, die werden nie eine Buy-and-Hold-Strategie durchhalten. Ganz einfach, weil sie es auch in anderen Lebensbereichen nicht tun. Diese Personen brauchen Bewegung und handeln früher oder später. Es gilt die eigene Persönlichkeit in die Anlagestrategie reinzuholen, um die eigenen Stärken zu spielen.

Manuel Horeth: Und Unveränderliches auch mal zu akzeptieren. Es gibt Menschen, die wollen ständig alles ändern. Manchmal ist es besser zu sagen: Okay, das ist nicht veränderbar. Stattdessen ändere ich meinen Fokus und lasse es einfach stehen.

Suggestion: Wenn Gummibären nach Pizza schmecken und wir die Risiken der Kapitalanlage nicht mehr sehen.

Birgit: In der Vorbereitung bin ich auf ein Video gestoßen und musste schmunzeln. Du mit Kindern in einem Kindergarten und einer Packung Gummibären. Ich sehe schon, du erinnerst dich. Kannst du uns deine Geschichte dazu erzählen. Was ist da genau passiert?

Manuel Horeth: Viele Kinder in einem Kindergarten. Das Ziel war zu zeigen, wie beeinflussbar wir Menschen und vor allem Kinder sind. Was macht Vorstellungskraft mit unserem Körper? Beispielsweise in eine Zitrone beißen. Stellen sie sich vor,  jetzt gerade in einer richtig saure Zitrone reinzubeißen. Es kann sein, dass sie jetzt ein wenig sauer schmecken, sich ihr Speichelfluss erhöht oder Sie gerade lächeln. Definitive ist in diesem Moment keine Zitrone in ihrem Mund und wahrscheinlich auch nicht in ihrer Nähe. Kinder verfügen über eine enorme Vorstellungskraft. Im Kindergarten stellte ich den Kindern Gummibären hin und erzählte, dass diese nach Pizza, Pommes und Ketchup schmecken. Dabei gab es zwei Gruppen. Die einen Gruppe schmeckte tatsächlich Spaghetti und Pizza. Und die andere Gruppe? Die hat in keinster Weise reagiert. Statt Ketchup schmeckten sie Orange. Bei der einen Gruppe hat die Beeinflussung funktioniert, bei der anderen nicht. Der Hintergrund: Bei der ersten Gruppe machte ich alles, was Vertrauen schafft. Diese Kinder haben mir einfach vertraut. Die zweite Gruppe habe ich ständig belogen. Ich habe gesagt, ich gehe in den Keller. Die Kinder wussten, dass der Kindergarten keinen Keller hat. Ich habe gesagt, ich komme in einer Minute zurück und habe sie zehn Minuten sitzen lassen. Ich habe einfach alles falsch gemacht, was Vertrauen betrifft. Das zeigt: Vorstellungskraft braucht Vertrauen. Wollen wir unsere eigene oder die Vorstellungskraft anderer steigern, dann braucht es Vertrauen. Wenn andere uns vertrauen, dann glauben sie uns auch.

Birgit: Ich kenne das unter dem Begriff Suggestion. Ein Mittel, dass am Kapitalmarkt häufig genutzt, ja benutzt wird. Vertrauen aufbauen und eine gute Geschichte über ein Investment erzählen. Im Schatten der Story über große Renditen sehen wir die Risiken kaum. Wenn ich das Bild übertrage: Wir nehmen den Erdbeergeschmack nicht mehr wahr, sondern schmecken die erzählte Pizza. Hast du ein paar Tipps? Was hilft gegen unerwünschte Suggestion von außen?

Manuel Horeth: Ich finde das eine super Frage. Ich bin derjenige, der in seinen Auftritten Suggestion einbaut und schaut, dass diese wirkt. Natürlich gibt es zwei Arten von Suggestion. Eine positive Suggestion, wie die Affirmationen im Sport. Beispielsweise, wenn ich mir immer wieder sage, ich bin gut, ich schaffe es. Diese Selbst-Suggestion unterstützt den Ich-glaube-an-mich-Fokus. Ebenso gibt es unerwünschte Suggestionen, die von Außen auf uns einwirken, meist versteckt und unbewusst wirksam. Ganz ehrlich, es ist extrem schwierig, sich solchen Suggestionen zu entziehen. Am beeinflussbarsten gegenüber Suggestionen, bin ich, und das ist die schräge Geschichte, wenn ich völlig entspannt bin. Deswegen funktioniert Fernsehwerbung so gut. Ich sitze entspannt zu Hause und die Werbung wirkt und wirkt. Am Ende kaufe ich ein Produkt und weiß nicht warum. Weil Werbung unbewusst gewirkt. Daher: Vermute ich versteckte Suggestion, gilt es aufmerksam zu sein. Vermute ich Einflussnahme, dann meine ich, gilt es jede wahrgenommene Botschaft zu hinterfragen. Oder auch die Information von jemandem zweiten abtesten zu lassen. Grundsätzlich ist es wirklich schwer sich gegen Suggestion zu wehren. Wir können ja auch nicht sagen: Ich möchte das nicht riechen. Ich kann mir die Nase zuhalten, aber in dem Moment ist es zu spät. Ich hab es bereits gerochen. Suggestion wirkt direkt auf das limbische System. Somit kann ich mich nur wehren, wenn ich Suggestionen bewusst wahrnehme und hinterfrage. Dazu muss ich bereits im Vorfeld absolut kritisch sein. Kritisch mag ich als Wort nicht. Hinterfragen ist besser.

Birgit: Ich stimme dir zu. Hinterfragen ist ein wichtiger Punkt. Was wird mir zählt? Was wird mir nicht erzählt? Was ist nicht Teil der erzählten Geschichte?

Manuel Horeth: Ja, sichtbar machen. Unsichtbares sichtbar machen. 

Birgit: Ein Mädchen hat in dem Video zu den Gummibären, deinen Weg in den Keller hinterfragt. Sie sagt: Komisch, wir haben keinen Keller im Kindergarten. Sich diese fragende Haltung zu behalten und den einen oder anderen Ort der Suggestion zu meiden kann auch bei der Geldanlage weiterhelfen. Du hast bereits das Fernsehen angesprochen, weil es so unmittelbar wirksam ist.

Manuel Horeth: Wenn ich weiß, wo die Suggestion herkommt, diese sichtbar machen. Das ist das Einzige aus meiner Sicht, was man bewusst tun kann.

Grenzen überwinden und Mut für Neues schöpfen.

Birgit: Jetzt haben wir aus erster Hand Gegenstrategien zur Suggestion erhalten. Zum Abschluss möchte ich zum Anfang des Gesprächs zurückgehen, zum Thema Grenzen überschreiten. Geldanlage heißt in vielen Fällen immer wieder über eigene Grenzen zu schreiten und Erfahrungen zu machen. Viele von uns sind mit Sparbuch und Münzsammlung groß geworden. Im aktuellen Marktumfeld sind diese Produkte wenig zukunftsträchtig.

Manuel Horeth: Bausparer.

Birgit: Natürlich, ja danke. Das heißt, viele sind gefordert, ihr Geldverständnis und ihre Altersvorsorge zu hinterfragen und sich in neue Anlageformen vorzuwagen. Was hilft diesen Schritt zu tun um über eine Grenze hinweg zu steigen?

Manuel Horeth: Mehrere Faktoren helfen um über Grenzen zu gehen. Nummer eins: Vorbilder. Vielleicht bekannt der Roger Banister Effekt. Roger Bannister war Läufer. Zu seiner Zeit galt es als unmöglich in einer gewissen Zeit eine Meile zu laufen. Bis es Roger Bannister einfach vorgemacht hat. Er hat daran glaubt. Danach war es plötzlich für alle möglich. Also, nach positiven Vorbildern suchen. Wie hat er oder sie es gemacht? Es ist leichter, es einfach nachzumachen. Schritt Nummer eins. Die zweite Geschichte ist Mut. Mut ist im Sport ein wesentlicher Faktor. Im Sport versuche ich Dinge, die vielleicht noch keiner oder wenige getan haben oder die Masse für schwierig hält. Mutig bin ich nur, wenn ich mir hundertprozentig sicher bin bei dem, was ich mache. Das heißt auch Kritiker ausschalten, gerade bei Entscheidungen. Beispielsweise Nici Schmiedhofer. Sie fährt jährlich ein Speedrennen und drescht mit 217 Kilometer pro Stunde die Piste hinunter. Viele fragen: Warum machst du das? Lass das, vielleicht verletzt du dich. Dann ist die Saison kaputt. Sie sagt: Ich mache es für das Gefühl im Ziel. Ich will es fühlen, wenn ich es geschafft habe. Und: Ich will was anderes machen, als andere. Diese Sicherheit und diesen Mut hat Nici, indem sie sich vorstellt, wie es sich anfühlt, im Ziel zu sein. Zu wissen, ich bin vielleicht einer der ersten, aber ich bekomme es hin. Mut durch die richtigen Vorstellung im Kopf. Das ist eine ganz wichtige Sache. Mut wächst, wenn du dich von Menschen ein wenig fern hältst, die versuchen diesen Mut zu zerstören. Trainiert ein Sportler ständig mit einer Gruppe mit negativen Mindset, dann wird ihn das demotivieren und anstecken. Mindset ist wie ein Virus. Gleichgesinnte im Spitzensport und auch sonst suchen. Eine Gruppe, die das eigene Mindset unterstützen. Das finde ich ebenso wichtig. Also ja, es gibt viele Faktoren um Grenzen zu überschreiten.

Mindset ist wie ein Virus.

Birgit: Das ist ein super Tipp: sich umzuhören. ÖsterreicherInnen reden viel zu wenig über Geld. Genau diese Grenze zu durchbrechen und reinzuhören, was Bekannten und Freunde tun. Aktiv nach einer Community suchen, die sich mit ähnlichen Theme beschäftigt und schon einen Schritt weiter ist.

Manuel Horeth: Richtig. Und Experten. Experten sind immer wichtig. Experten haben Wissen und können unterstützen. Kein Sportler macht etwas, ohne es mit dem Trainer zu besprechen. Vielleicht gibt es auch im Finanzbereich einen Trainer, dem ich vertraue und der mich einen Schritt weiter bringt. Dann bin ich nicht mehr alleine. Dann sind wir schon zu zweit.

Birgit: Vielleicht kennt der Trainer auch Fehler, die andere gemacht haben und ich nicht noch einmal machen muss. Somit: Aus dem Wissen anderer profitieren. Manuel, welchen nächsten Schritt können Hörer und Hörerinnen machen, um sich in das Thema zu vertiefen? Wie trete ich mit dir in Kontakt?

Manuel Horeth: Rund um Mentaltraining und mentale Stärke gibt es im Internet sehr, sehr viel zum Reinlesen. Ich muss sagen, es ist ein wenig ein Auflauf. Es gibt keine Mathematik und wenig Regeln, die für jeden zutreffen. Ich muss selbst meine Strategie entwickeln. Im Horeth Institut bieten wie die Entwicklung individueller Mindset-Strategien an. Welche Techniken brauche ich, um mich mental zu stärken? Hier erstellen wir professionelle Strategien. Ansonsten einfach selbst einlesen und das Wichtigste: Wir haben es alle in uns. Wir müssen es nur aktivieren. Es geht nur ums Einschalten.

Birgit: Was empfiehlst du für den ersten Schritt? Eine kleine Grenze suchen und überschreiten? Mit Imagination starten?

Manuel Horeth: Ich empfehle für den ersten Schritt das Thema mit Spaß anzugehen. Das heißt, nicht zu ernst nehmen, sondern sagen: So, wenn ich Stress habe, dann versuche ich meine erste Entspannungstechnik anzuwenden. Die Möglichkeiten sichten. Möchte ich körperlich entspannen und mit Atemtechniken arbeiten? Oder lieber mit Ruhebildern im Kopf? Suche ich mir Musik, die mich beruhigt und verbinde das Lied mit absoluter Entspannungen? Herausfinden, was für ein Typ ich bin. Mit Entspannung anzufangen schadet nicht. Entspannung ist die Basis für alles weitere.

Birgit: Mit Mut und Freude reinstarten. Ausprobieren und herausfinden, was für mich gut funktioniert. 

Manuel Horeth: Spaß dran haben. 

Birgit: Ich packe die Links zu deinen Büchern natürlich  in die Shownotes. Mir hat es heute richtig viel Spaß gemacht und ich kann nur empfehlen mit dir zu arbeiten. Unsere Hörerinnen und Hörer haben sicher einiges mitgenommen und können gleich starten. Wir sind damit am Ende. Ein ganz herzliches Dankeschön an dich für deine Zeit und deinen Input. 

Manuel Horeth: Sehr gerne, Dankeschön.

Zusammenfassung: Tipps für dein starkes Mindset.

Manuel Horeth zeigt, welche Kraft in unseren Gedanken liegt. Nutze diese bewusst – auch für deine Geldanlage. Die Tipps von Manuel im Schnelldurchgang:

  • Entdecke, was dich in Sachen Geld motiviert und formuliere positive Anlageziele.
  • Trainiere deinen ruhigen, wachen Geist. Nutze dazu beispielsweise Bilder, Orte oder Musik.
  • Selektiere bewusst, mit welchen Informationen du dich umgibst.
  • Überschreite Grenzen: Schau, was dich in anderen Lebensbereichen stark macht, hol dir positive Vorbilder, tausche dich mit anderen aus und nutze gute Trainer.

Kurz um: Investiere in dein Money Mindset. Damit machst du dich krisenfit und findest die Anlagestrategie, die zu dir passt. 

Manuel Horeth – Der grenzenlose Mentaltrainer.

Manuel Horeth zählt zu den weltbesten Mentalexperten und kreativsten Mentaltrainern. Er entwickelt mit seinem Team hochwertige mentale Trainings- und Motivationstechniken für internationale Sportstars, Profi-Fußballer, Trainer, Manager und Unternehmer. In seinen Keynotes demonstriert er auf einzigartige Weise wie Motivation im Spitzensport funktioniert und wie man von diesen wirkungsvollen Techniken profitieren kann.  Mit unterhaltsamen, auflockernden Live-Experimenten zur Thematik wird der Auftritt von Manuel Horeth zum Erlebnis für Ihre Gäste.

 

Links zum Beitrag:

Bücher von Manuel Horeth: http://shop.horeth.at/

Horeth Institut: www.horeth-institut.at

Link zum Showreel: http://www.horeth.at/mentalewelt.mp4

Video Kindergarten: https://youtu.be/yfmpzv-g2Ew

Blogbeitrag zur Zieldefinition: Wie plane ich meine Geldanalge richtig?

Blogbeitrag zum Umgang mit Informationen: Bessere Entscheidungen in der Geldanlage treffen.

Blogbeitrag zur Suggestion: Wie Geschichten die Geldanlage beeinflussen.

Bildquellen:

www.canva.com

Manuel Horeth KG, F. Maritz

 

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